Inforadio Forum mit Harald Asel: „Musikstadt Berlin in Gefahr“?

10 Juni 18:00
Bis 10 Juni

Inforadio Forum mit Harald Asel: "Musikstadt Berlin in Gefahr"?

Humboldt Forum
Inforadio Forum mit Harald Asel: "Musikstadt Berlin in Gefahr"?
Humboldt Forum

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Überproportionale Kürzungen in Berliner Landeshaushalt 2025 für den Kulturbereich. Und weitere Maßnahmen drohen! Was bedeutet dies für die Musiklandschaft der Stadt? Sind ihre Fülle und ihre Vielfalt in Gefahr? Und welche Auswege gibt es? Das fragt Harald Asel seine Gäste am 10. Juni um 18:00 Uhr im Humboldt Forum.

Der Schock saß tief Ende letzten Jahres über die massiven Einsparungen. Und der Ärger vieler Kulturakteure über die Art, wie dies kommuniziert wurde, ist noch immer spürbar. Inzwischen haben sich viele Institutionen stärker vernetzt, um auf die Gefahren für den Kulturstandort Berlin hinzuweisen. Kampagnen wie „Deine Stimme für Musik“ zeigen bereits Wirkung. Doch wie groß ist der Einfluss der Kulturszene in der Gesellschaft wirklich?

 Kultur sei Berlins Schwerindustrie, so ist zu hören. Aber was wissen wir wirklich über die oft genannte Umwegrentabilität, die für Kultur ausgegebenes öffentliches Geld in neue Einnahmen verwandelt? Und welche Rolle spielt dabei das Verhältnis von musikalischer Breitenförderung für Hunderttausende, der Unterstützung freier Ensembles und dem Wirken international beachteter großer Player? Wo können sie sich gegenseitig stützen und wo sind sie angesichts der Sparzwänge harte Konkurrenten? Helfen strukturelle Veränderungen allein oder steht konkreter Abbau von Angeboten im Raum?

Mit der neuen Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson blicken wir gezielt auf den öffentlich geförderten Musikbereich. Sie selbst bringt durch ihre früheren Tätigkeiten am Mozarteum Salzburg und der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin eine persönliche Expertise mit.

Mit ihr diskutieren:

Till Schwabenbauer, Landesverband Berlin-Brandenburgischer Liebhaberorchester, Dirigent und Musikpädagoge,

Folkert Uhde, Kulturmanager und Konzertgestalter, Mitgründer des Radialsystems,

Thomas Fehrle, Deutscher Bühnenverein Landesverband Berlin, Geschäftsführender Direktor der Deutschen Oper Berlin

Moderation: Harald Asel, rbb24 Inforadio

Ort: Klangwerkstatt des Ethnologischen Museums und Museums für Asiatische Kunst im Humboldt Forum, 2. Stock

Zeit: Dienstag, 10. Juni 2025, 18.00 Uhr

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Julia Dittmar (SPD)
Spitzenkandidatin der Bezirksliste Treptow-Köpenick

Was ist Ihr persönlicher Bezug zur Kultur in Berlin?

Ich bin 2000 nach Berlin gezogen – und habe die Stadt damals vor allem über ihre
Kultur kennengelernt. Vieles war improvisiert, manchmal chaotisch, aber
unglaublich spannend und vielfältig. 
Ich erinnere mich an eine Performancegruppe der Kunsthochschule Kassel, die im
Prenzlauer Berg für eine Woche einen Laden angemietet und ihn komplett mit
frittierten Pfannkuchen, also „Berlinern“ zugebaut hat. Das ist ein verrücktes
Beispiel, aber es zeigt, was Kultur in Berlin ausmacht: ausprobieren, anecken,
überraschen.
Solche Sachen waren möglich, weil es genug Freiräume gab und die auch bezahlbar waren. Die drohen heute verloren zu gehen oder sind längst verschwunden. Deshalb ist es wichtig, sie politisch besser zu schützen.

Warum ist Kultur für Berlin unverzichtbar – gesellschaftlich, demokratisch und wirtschaftlich?

Kultur erlaubt den Blick über den Tellerrand, sie schafft Begegnung und ermöglicht
demokratische Debatten. Gleichzeitig ist sie ein wichtiger wirtschaftlicher
Faktor.
Berlin lebt davon, dass unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden. Ohne Kultur
würde die Stadt nicht nur an Ausstrahlung verlieren, sondern auch an
gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Wie möchten Sie eine nachhaltige Kulturfinanzierung in Berlin sichern?

Kultur sollte verlässlicher finanziert werden. Dazu gehören mehrjährige Förderungen
ohne ständige Unsicherheiten und eine stärkere Unterstützung der freien Szene –
nicht nur der großen Häuser.
Gerade wenn Mittel knapper werden, darf Kultur nicht gegen Soziales ausgespielt
werden. Stattdessen geht es darum, politische Prioritäten insgesamt neu zu
setzen.

Wie stärken Sie Kultur als Raum für Vielfalt, Teilhabe und demokratische Debatte?

Kultur muss für alle zugänglich sein. Dafür braucht es niedrigschwellige Angebote,
mehr Sichtbarkeit für unterschiedliche Perspektiven und den Schutz der
Kunstfreiheit.
Gerade in einer vielfältigen Stadt wie Berlin ist Kultur ein zentraler Ort für
Austausch und Auseinandersetzung.

Was ist Ihr nächstes konkretes kulturpolitisches Vorhaben für Ihren Wahlkreis und für ganz Berlin?

Kulturpolitik ist nicht mein Schwerpunkt – aber Berlin ohne Kultur ist für mich undenkbar.
Als Neuling will ich erstmal schauen, was mir da spannendes über den Weg läuft und welche Projekte und Bedarfe es gibt. Mir wäre es wichtig, die Rahmenbedingungen insgesamt zu verbessern und vor allem Orte und Räume zu sichern oder neu zu schaffen, damit Kultur in Berlin den Platz hat, der ihr zusteht.